Pflanzliche Rohstoffe

Immer mal wieder werde ich am Stand gefragt, ob ich auch veganes Garn verkaufe. Die KundInnen wünschen dann ein Garn, das keine tierischen Bestandteile enthält.

Ja sicher habe ich so etwas in meinem Sortiment – und zwar sind das alle Garne aus pfanzlichen Rohstoffen.

Am bekanntesten ist hier die Baumwolle. Sie wird gewonnen aus den büscheligen Samenfasern der reifen Baumwollkapseln des Baumwollstrauchs. Wir alle kennen Baumwolle als widerstandsfähiges, hautsympathisches Textil. In meinem Sortiment biete ich verschiedene Garne aus reiner Baumwolle an, die sich für Pullis, Tops, Söckchen, Baby- und Kinderkleidung und vieles mehr eignen.

Ein bisschen in Vergessenheit geraten ist im westlichen Europa das einst sehr gefragte und vielfältig eingesetzte Leinen. Leinen wird gewonnen aus dem faserigen Stängel der Flachs-Pflanze. Das Leinengarn in meinem Sortiment beziehe ich aus Litauen. Es ist sehr dünn – zwischen 600m und 1300m auf 100g – und eignet sich für Lace-Arbeiten gestrickt oder gehäkelt. Da der Faden nicht elastisch ist, kann man ihn auch zum Klöppeln, Flechten usw. benutzen.

Ebenfalls aus dem Stängel einer Pflanze gewonnen wird Ramie – die textile Faser aus China-Gras, die auch zum Stricken und Häkeln benutzt werden kann.

Relativ neu auf dem Markt ist die Algenfaser, gewonnen aus den Blättern der Braunalge. Die Produktion ist sehr nachhaltig, da die Blätter immer nur so viel abgeschnitten werden, dass sie gut wieder nachwachsen können. Das Garn ist angenehm weich, und wirkt durch seinen seidigen Glanz edel und elegant. Vergangenes Jahr hatte ich mal ein Algengarn im Sortiment. Mein Geschäft läuft jetzt wieder an, und da kann ich hoffentlich bald wieder bestellen.

Es gibt noch eine Reihe weiterer pflanzlicher Fasern, die jedoch für Bekleidung zu grob sind. Hanf – gewonnen aus dem Stängel der Hanfpflanze – wird zu Kordeln, Seilen, Tauen verarbeitet. Jute – gewonnen aus dem Stängel der Jute-Pflanze – wird zu groben Geweben, z.B. Säcken, verarbeitet. Aus Kokos – gewonnen aus der äußeren Schale der Kokosnuss – und Sisal – gewonnen aus den Blättern der Sisal-Agave – werden Teppiche und Fußmatten hergestellt.

Eine weitere pflanzliche Faser kennt man aus dem Öko-Bereich: Kapok. Es handelt sich, ähnlich wie bei der Baumwolle, um die Fruchtfaser der reifen Samenkapsel des Kapok-Baumes, die beim Aufplatzen der Kapsel hervortritt. Obwohl die positiven Eigenschaften der Kapok-Faser denen der Baumwolle sehr ähnlich sind, kann die Faser dennoch nicht zu Garn verarbeitet werden, weil sie zu kurz ist. Um einen stabilen Faden zu spinnen, muss die einzelne Faser eine bestimmte Mindestlänge haben, damit der Faden später nicht reißt. Die Kapok-Faser ist hierfür zu kurz. Man verwendt sie als natürliches, ökologisches Füll- und Polstermaterial für z.B. Meditationskissen.

Außerdem kann man auch Lyocell, Viskose, Cupro und Modal zu den pflanzlichen Garnen zählen. Sie werden aus dem Rohstoff Holz und den Abfällen aus der Baumwollverarbeitung in einem chemischen Verfahren gewonnen. Manchmal werden Sie als „Kunstseide“ (weil der Glanz dem der Maulbeerseide ähnelt) oder „halbsynthetische Fasern“ (weil ein chemisches Verarbeitungsverfahren zu Hilfe genommen wird) bezeichnet. Sie werden in Handarbeitsgarnen oft als Mischung mit anderen Fasern verwendet.

Letztendlich sind auch alle synthetischen aus Erdöl gewonnenen Fasern wie Polyamid, Polyacryl, Polyester frei von tierischen Rohstoffen. Da ich an meinem Stand aber Naturgarne anbieten möchte, finden sich synthetische Fasern bei mir höchstens mal als Beimischung zu Naturfasern wie z.B. im Sockengarn.